Verlässliche ERP-Daten sind keine Bürokratie. Sie sind die Grundlage für proaktive Produktionssteuerung.
Günther Baumgartner berichtet von einem alarmierenden Bild bei einem Praxisfall, das sich bei einer detaillierten Analyse der ERP-Daten eines Mandanten zeigte: Bei einer erheblichen Anzahl von Fertigungsaufträgen lagen die geplanten Fertigstellungstermine im System bereits in der Vergangenheit – tatsächlich waren die Aufträge noch gar nicht gestartet worden.
Auch bei den Zukaufteilen zeigte sich ein ähnliches Problem: Liefertermine wurden nicht eingehalten und im ERP-System nicht entsprechend aktualisiert.
Die übliche Reaktion in Unternehmen wie hier ist:
„Wenn wir alle Daten in unserem ERP pflegen und tagesaktuell halten wollen, brauchen wir vier Mitarbeitende mehr.“
Eine Antwort, die in der Praxis leider nicht selten zu hören ist – und die vor allem eines zeigt: den kurzfristigen Blick auf den Aufwand, nicht auf die Kosten der Konsequenzen.
- Denn was kostet ein verärgerter Kunde, der aufgrund wiederholter Lieferverzögerungen verloren geht?
- Und was kostet es, wenn die Produktionsplanung und Maschinenbelegung auf Basis veralteter ERP-Daten erfolgt?
Die Konsequenz: permanentes „Firefighting“. Aufträge müssen immer wieder neu priorisiert, Produktionspläne angepasst und sogenannte „Chefaufträge“ kurzfristig durchgeschleust werden. Für die Mitarbeitenden bedeutet das einen erheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand – ohne dabei Wert zu schaffen.
Tagesaktuelle und verlässliche ERP-Daten sind daher keine zusätzliche Bürokratie, sondern die Grundlage für eine proaktive und wertschöpfende Steuerung der Produktion.
Wer seine Daten nicht aktuell hält, plant nicht – er reagiert.
Und genau das wird langfristig zum Wettbewerbsnachteil.
Die einzige Ausnahme: Unternehmen mit nur einem guten Dutzend Produkten.
Dort kann Excel tatsächlich noch ausreichen.
