Wann ist die Erstellung einer Fortbestehensprognose geboten?
Eine Fortbestehensprognose ist insbesondere relevant in Situationen, in denen ein Unternehmen Anzeichen finanzieller Schwierigkeiten zeigt oder von einer Insolvenz bedroht ist. Der Grund hierfür liegt in der österreichischen Insolvenzordnung sowie der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs und der damit zusammenhängenden zweistufigen Überschuldungsprüfung. Daraus ergibt sich, dass bei einer positiven Fortbestehensprognose kein Grund zur Insolvenzanmeldung vorliegt, auch wenn rechnerisch eine Überschuldung gegeben ist.
Über die zahlreichen rechtlichen Gründe, wann und warum eine Fortbestehensprognose zu erstellen ist, erfahren Sie im Fachartikel Fortführungsprognose und Fortbestehensprognose.
Eine Fortbestehensprognose muss im Gegensatz zum weniger formellen Independent Business Review (IBR) klare formale und inhaltliche Anforderungen erfüllen. Diese Mindesterfordernisse an eine Fortbestehensprognose veröffentlichten die Kammer der Wirtschaftstreuhänder und die Wirtschaftskammer Österreich in einer gemeinsamen Stellungnahme „Leitfaden Fortbestehensprognose“.

Keine Salamitaktik! Ein Gesamtbild zur Situation und ein priorisierter Maßnahmenplan muss rasch auf den Tisch und kommuniziert werden.
Welche Inhalte findet man in einer Fortbestehensprognose?
Eine Fortbestehensprognose erhält eine Einschätzung, ob die kurzfristige Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sowie die langfristige Überlebensfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben ist. Um diese Einschätzung abzuleiten, beinhaltet sie eine Analyse der aktuellen finanziellen Situation des Unternehmens, einschließlich seiner aktuellen Liquidität, finanziellen Verpflichtungen und operativer Leistung sowie eine Prognose der zukünftigen finanziellen Entwicklung und Leistungsfähigkeit.
Die Inhalte einer Fortbestehensprognose umfassen verschiedene Aspekte der Situation eines Unternehmens. Dazu gehören:
- Markt- und Wettbewerbsanalyse: Eine Bewertung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Wettbewerbsfähigkeit des Geschäftsmodells.
- Krisenursachen: Eine Analyse der aktuellen Unternehmenssituation und der historischen Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage, um die Krisenursachen herauszuarbeiten und treffsichere Maßnahmen zur Sanierung zu entwickeln.
- Sanierungsmaßnahmen: Eine Beschreibung des Zielbildes des sanierten Unternehmens, sowie eine Erläuterung der dafür notwendigen Maßnahmen, deren Umsetzung und einer Quantifizierung der Effekte.
- Prognoserechnung: Ausgehend von der aktuellen Situation und den geplanten Maßnahmen wird eine kurzfristige Liquiditätsplanung sowie eine langfristige integrierte Planung entwickelt. Diese gliedert sich in eine Primärprognose (i. d. R. das laufende bzw. folgende Geschäftsjahr) und eine daran anschließende Sekundärprognose (i. d. R. zwei bis drei weitere Jahre).
Welche Zwecke erfüllt die Fortbestehensprognose abseits von rechtlichen Gesichtspunkten?
Die Fortbestehensprognose ermöglicht den Stakeholder:innen, die finanzielle Situation eines Unternehmens besser zu verstehen und einzuschätzen, ob bzw. inwiefern es in der Lage sein wird, seine laufenden Verpflichtungen zu erfüllen. Damit kann die Fortbestehensprognose auch einen zentralen Beitrag zur Stakeholder-Kommunikation leisten. Die Ergebnisse der Fortbestehensprognose können genutzt werden, um die Kommunikation mit verschiedenen Stakeholdern einschließlich Banken, Investoren, Lieferanten und Mitarbeitenden zu verbessern und das Vertrauen in das Unternehmen zu stärken.
Bei einer signifikanten Veränderung der Unternehmenslage und in Krisensituationen ist die Stärkung des Vertrauens aller Stakeholder:innen und insbesondere der Kapitalgeber:innen eine zentrale Komponente bei der erfolgreichen Überwindung der Krise. Es ist notwendig, Transparenz über die Lage zu schaffen, einen klaren Plan zu entwickeln und diesen effektiv zu kommunizieren.

Sie brauchen einen Fortbestehensprognose, ein IDW S6 Gutachten oder einen IBR?
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Wer erstellt und unterschreibt die Fortbestehensprognose?
Die Fortbestehensprognose ist von der Geschäftsführung zu erstellen und zu unterzeichnen. Aufgrund des relativ hohen Zeitaufwands und zur Sicherstellung der Objektivität hat es sich bewährt, Beratungsunternehmen wie VALTUS Management Factory bei der Erstellung hinzuzuziehen. In den letzten Jahren kommt es immer öfter vor, dass die Finanzierungspartner nach der von der Geschäftsführung unterzeichneten und abgegebenen Fortbestehensprognose auch noch eine Stellungnahme des Beratungsunternehmens verlangen.
Gibt es neben der Fortbestehensprognose weitere Instrumente mit ähnlichem Zweck und Nutzen?
Neben der Fortbestehensprognose haben sich am Markt insbesondere der Independent Business Review (IBR) und das deutsche Pendant zur Fortbestehensprognose, das IDW S6 Gutachten, etabliert.

Sanieren ohne Bilanzkenntnis ist wie Autofahren ohne Führerschein.
Was ist ein Independent Business Review (IBR)?
Ein Independent Business Review (IBR) ist eine detaillierte Bewertung der finanziellen und operativen Situation eines Unternehmens, die von einem unabhängigen Dritten durchgeführt wird. Sie bietet Interessengruppen wie Investoren, Kreditgebern und Unternehmensmanagement eine objektive Beurteilung des Unternehmens. Ein IBR ist weniger standardisiert als eine Fortbestehensprognose und kann sehr individuell im Umfang und Schwerpunkte an die konkrete Situation angepasst werden.
Investoren, Kreditgebern und anderen Stakeholder:innen kann mit einem IBR eine umfassende Bewertung der finanziellen und operativen Leistung des Unternehmens zur Verfügung gestellt werden, um damit die notwendige Transparenz zu bieten und das Vertrauen zu stärken. Durch die Bereitstellung umfassender Analysen und Bewertungen ermöglicht ein IBR den Stakeholder:innen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Dies kann von strategischen oder finanziellen Entscheidungen bis hin zu operativen Maßnahmen reichen.

No-Nonsense-Strategie mit Fokus auf Hard Facts.
Was ist ein IDW S6 Gutachten?
Das IDW S6 Gutachten ist der maßgebliche deutsche Standard für Sanierungskonzepte. Sind unter den Kreditgebern auch deutsche Institute vertreten, wird in Sanierungssituationen oft anstelle oder in Ergänzung zum IBR oder einer Fortbestehensprognose ein IDW S6 Gutachten gefordert. Das Gutachten basiert auf einen Standard, der vom deutschen Institut der Wirtschaftsprüfer entwickelt wurde und ist inhaltlich der österreichischen Fortbestehensprognose ähnlich. Gerne unterstützen wir auch bei einer Erstellung eines Sanierungsgutachten nach IDW S6.

Für eine erfolgreiche Restrukturierung ist die zügige Zusammenstellung eines kleinen eingeschworenen Sanierungs-Teams unerlässlich: Umsetzungsstarke Vertreter:innen der wichtigsten Unternehmensbereiche, mit denen wir Maßnahmen erarbeiten und konsequent umsetzen.







