Operational Excellence in der Praxis #1

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Die Stillstände, die keiner meldet.

Mit unserer neuen Serie „Operational Excellence in der Praxis“ startet unser Partner Roman Benedetto und gibt praxisnahe Einblicke in typische Herausforderungen aus dem Produktionsalltag.

Den Auftakt macht sein erster Praxistipp: Anlagenstillstände über 15 Minuten stehen im System. Sie werden erfasst, ausgewertet und in der Schichtbesprechung besprochen. Was darunter liegt, wird nicht gemeldet – der Bediener greift ein, die Anlage läuft weiter, niemand schreibt etwas auf.

In Summe ist das oft der größere Block. Ein Stillstand von drei Minuten, achtmal pro Schicht, entspricht in der Woche einer halben Schicht. In keiner Kennzahl taucht das auf, weil die Erfassungsgrenze darüber liegt.

Der Einstieg ist eine Strichliste. Ein Blatt an der Anlage, zwei Wochen, jeder Eingriff bekommt einen Strich und ein Stichwort. Kein System, keine Sensorik, keine Anbindung. Nach zwei Wochen zeigt die Liste, ob sich ein Muster wiederholt – und in der Regel tut es das.

Montagelinie, Beispielrechnung: Die OEE lag bei 78 Prozent, die dokumentierten Störungen erklärten davon vier Prozentpunkte. Die Strichliste brachte in zwei Wochen 340 Eingriffe, von denen zwei Drittel auf dieselbe Zuführeinheit entfielen. Nach dem Umbau der Zuführung lag die OEE bei 84 Prozent.

Der Punkt liegt weniger in der Technik als in der Erfassungsgrenze. Was unter der Meldeschwelle liegt, wird zur Gewohnheit – und Gewohnheiten werden nicht abgestellt, weil sie niemandem auffallen.