Das Ende eines Unternehmens bedeutet nicht zwangsläufig eine Insolvenz. Am Beispiel von Unimarkt zeigt sich, wie ein geordneter Übergang und eine erfolgreiche Liquidation gelingen können. Unimarkt ist als Einzelhandelskette Geschichte, doch mit der Unigruppe geht es weiter. Geschäftsführer Andreas Hämmerle gibt Einblicke in die Übergangsphase des Unternehmens und erzählt, welche Fenster sich öffnen, nachdem sich die (Laden-)Tür geschlossen hat. In seinem aktuellen CASH-Interview mit Karl Stiefel erläutert unser Executive Interim Manager Andreas Hämmerle anhand des Praxisbeispiels Unimarkt, welche Faktoren für eine erfolgreiche und solvente Liquidation entscheidend sind.
Mit der Meldung „Unimarkt plant Verkauf und Weitergabe von Filialstandorten“ wurde am 30. September 2025 kommuniziert, dass die heimische Einzelhandelslandschaft um einen Teilnehmer ärmer wird. „Nach Abschluss des Verkaufsprozesses plant Unimarkt den Rückzug vom Markt – geplant und verantwortungsbewusst“, hieß es in der Aussendung. Seither ist mehr als ein halbes Jahr vergangen und dort, wo einst die blau-gelben Designs der Marke sichtbar waren, ist die Farbgebung heute grün, rot-gelb, rot-weiß – oder eben grau. Nach der Zustimmung der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) zu den Übernahmen haben Rewe (Billa, Penny, Adeg) und Spar insgesamt 43 der Filialen übernommen. Sechs Standorte gingen zudem an selbstständige Nah&Frisch-Kaufleute, für drei weitere Shops wurden „tragfähige Lösungen“ gefunden, wie es von offizieller Seite heißt. Somit gab es für 52 der zuletzt 98 Standorte eine Nachnutzung, die übrigen 46 Filialen wurden vorerst ersatzlos geschlossen.
„Der Unimarkt-Marktrückzug ist abgeschlossen und für einen Großteil der Standorte sind sehr gute Nachfolgepartner gefunden worden – damit haben wir hunderte Arbeitsplätze halten und vielerorts die Nahversorgung sichern können“, sagt Unigruppe-Geschäftsführer Andreas Hämmerle dazu. Weiter heißt es: „Wir räumen jetzt noch zusammen und ordnen die operativen und rechtlichen Belange des Unternehmens. Das wird noch einige Monate in Anspruch nehmen.“
Doch wie setzte man die Prioritäten bei der Übergabe der Standorte? Dazu gibt Hämmerle CASH nun exklusiv Einblicke: „Für uns war prioritär, dass, wo immer machbar, eine Einzelhandelszukunft an dem Standort möglich gemacht wird – weil das wesentlich für eine Nahversorgung in den Orten ist und weil es die beste Basis für unsere Mitarbeitenden war, wieder einen Job zu bekommen. Diese Konstellation war auch besonders geeignet für unsere Franchisenehmer, denn sie hat in vielen Fällen einen Weiterbestand für sie als selbständige Kaufleute ermöglicht.“
Neuer Fokus, auch in der Logistik
Im Februar 2025 hat Unigruppe bereits das Lager in Graz abgesondert, mittlerweile wird es von Transgourmet genutzt. Durch das Wegfalen der Unimarkt-Standorte haben sich auch die Anforderungen an den Logistikbereich geändert. „So, wie wir mit ruhiger Hand Unimarkt vom Markt genommen haben, haben wir auch die Belange der Logistik transformiert. Die Unilogistik ist jetzt schon zu weiten Teilen dort, wo sie sein muss“, sagt der Geschäftsführer hierzu. Der Fokus liegt nun auf der Versorgung von Kaufleuten durch den Unigroßhandel.
Hier wurde auch ordentlich umgestaltet: Seit April ist der Unigroßhandel eine unabhängige Organisation. „Komplett eigenständig und autark agieren zu können, sind optimale Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung des Geschäftsfeldes. Der Fokus ist damit zu hundert Prozent gegeben und man hat die Organisation von Grund auf so geplant, dass sie maßgeschneidert den Bedürfnissen des Marktes entspricht“, so Hämmerle. Er bildet zusammen mit Benjamin Gruber in diesem Unternehmen die Geschäftsführung.
Das Team bleibt top
Eine weitere Veränderung, die gegen Ende des vergangenen Jahres angestoßen wurde, war die Auflösung des Top-Team Zentraleinkauf. Diese Einkaufsgemeinschaft der Unigruppe zusammen mit Transgourmet wurde aufgrund von „unterschiedlichen Interessen und Anforderungen“ aufgespalten. Die beteiligten Unternehmen haben seither begonnen, Teile der geschiedenen Einkaufsehe in die jeweils eigenen Strukturen zurück zu integrieren.
„Wir haben uns die Trennung vom Top-Team nicht gewünscht, glauben aber, dass wir in der jetzigen Konstellation strategisch genau richtig für unsere Zukunft aufgestellt sind“, stellt Hämmerle klar. Mit dem eigenen Category Management (das mit April 2026 an den Start gegangen ist) und dem eigenen Einkauf sieht er ein autarkes Handeln als Stärke der organisatorischen Änderung. Wichtig in solchen Konstellationen ist für den Geschäftsführer „die zeitliche Dimension mit genügend Vorlauf und Planungssicherheit. Wir hatten genug Zeit, um uns auf unsere Zukunft vorzubereiten, und die Transformation ist bereits erledigt. Das Team, das hier daran arbeitet, ist eine kompetente Mischung aus sehr erfahrenen Teammitgliedern und jungen Talenten: aus Personen, die in der Unigruppe seit vielen Jahren mitwirken, und neuen, die dazugekommen sind.“
Nun verspricht sich Hämmerle „echten Fokus“, wie er es formuliert: „In der Vergangenheit musste die Unigruppe in mehreren Segmenten und Märkten gleichermaßen planen und umsetzen: im Supermarktsegment mit beachtlicher Komplexität genauso wie im Segment der eigenständigen Kaufleute mit anderen Anforderungen. Diese Komplexität ist nun aufgelöst und wir können uns ausschließlich auf unser Kerngeschäft fokussieren – auf die Kunden von Nah&Frisch und unik. Das ist eine Perspektive, die sehr erfüllend ist, weil wir uns voll darauf einlassen können.“
Schwerpunkt: Kaufleute
Mit dem entsprechend geschärften Aufgabenfeld sieht die Unigruppe ihren Erfolg im Erfolg der Kaufleute. „Wir haben nun die Kraft und die Ruhe, dieses Geschäftsfeld mit Fokus zu adressieren, und das werden wir tun“, meint Hämmerle energisch. Ein profitables Wachstum sieht das Unternehmen dabei in der Nahversorgung. In ländlichen Gemeinden soll die Präsenz ausgebaut werden, nach der „Tabula rasa“ der Unimärkte erfolgt das allerdings durch Nah&Frisch. Die Voraussetzungen für die Etablierung eines Nahversorgers? „Ein erfolgreicher Markt steht und fällt mit der Bereitschaft der Gemeinde, dort tatsächlich auch einzukaufen, und diese Bereitschaft hängt wieder ursächlich von der Qualität unserer Partner in den jeweiligen Standorten ab.“
Darüber hinaus ist für die Unigruppe das Tankstellengeschäft ein relevantes Wachstumsfeld, welches nun weiter vorangetrieben wird. Dieses wird von unik serviciert, einem Zusammenschluss mit dem Handelshaus Kiennast, wobei Großhandel, Logistik und Dienstleistungen, wie etwa Standortentwicklung oder Category Management, abgedeckt werden. Hier sieht Hämmerle eine solide Entwicklung in den vergangenen Jahren.
Selbst wenn das Kapitel „Unimarkt“ des stationären Einzelhandels geschlossen ist, wird es also nicht ruhig um die Unigruppe. Im Laufe des Jahres werden noch die letzten Punkte hinter den Kulissen erledigt, dann endet dieser Teil der Unternehmensgeschichte nach mehr als 50 Jahren endgültig. Das, was daraus entstanden ist, prägt den heimischen Handel jedoch weiter mit – nur eben anders.
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Autor: Karl Stiefel
© Cash – Das Handelsmagazin / Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H.
