Aus Chaos Cash – Ilona Åkerlind über den Wert von Interim Management in kritischen Situationen

·

von

Ilona Åkerlind ist eine erfahrene Veränderungsmanagerin und Interim Managerin mit gediegener CFO-Expertise und mehr als 20 Jahren Erfahrung beim Thema „Ergebnisorientierte Führung in geschäftskritischen Situationen“. Sie blüht dort auf, wo der Druck am höchsten ist – bei M&A-Transaktionen, Restrukturierungen und Krisen – oder wenn eine Organisation eine grundlegend neue strategische Ausrichtung benötigt. Mit einer seltenen Kombination aus finanzieller Präzision und Führungsstärke schafft sie Vertrauen, entfaltet das Potenzial von Teams und treibt Transformationen voran, um langfristig Mehrwert zu schaffen.

„Ich sehe meinen Interim Job nicht als Rolle, sondern als effektive Arbeitsweise. Ob es Interim, Transformationsführung oder Beratung heißt, ist für mich zweitrangig – entscheidend ist der Unterschied, den ich bewirken kann. Ich liebe Mandate, die Mut, Veränderungswillen und klare Ziele erfordern“, sagt Ilona.

Ilona Åkerlind spricht mehrere Sprachen und hat in zahlreichen Ländern gelebt und gearbeitet. Das ermöglicht ein sicheres Auftreten in internationalen Kontexten. Ihre Einsätze führten sie in nach Skandinavien, nach Frankreich, in die Schweiz, in die USA, nach Spanien, Zentral- und Osteuropa sowie Asien – stets an der Schnittstelle von Strategie und Umsetzung.

„Ein amerikanisches Unternehmen, ein französisches Team, ein osteuropäischer Eigentümer – das erfordert interkulturelle und kommunikative Kompetenz. Mehrsprachigkeit ist dabei nicht nur zum Verstehen hilfreich, sondern auch beim Aufbau von Vertrauen ein echter Vorteil.“

Executive Interim Management als Veränderungsinstrument

Ilona Åkerlind wird angetrieben von dem Wunsch, dort einzuspringen, wo es wirklich zählt – in Turnarounds, in Phasen der Unsicherheit oder wenn eine neue Phase bei einem Unternehmen neue Werkzeuge erfordert.

„Viele Unternehmen wissen, dass sie vor einer Herausforderung stehen, aber nicht, worin das eigentliche Problem besteht. Ich beginne immer mit einer schnellen Diagnose: Was funktioniert, was nicht – und warum nicht? Das kann alles sein: von Cashflow-Problemen über interne Konflikte bis hin zu fehlender Ausrichtung.“

Sie ist häufig als Interim-CFO/COO eingesprungen – oder als Transformation Finance Lead – jedoch stets mit dem Fokus auf das große Ganze. Die Kombination aus Analyse, Krisenmanagement und Kommunikation ist meist der Schlüssel zur Veränderung.

„Mit einem Abschluss in Betriebswirtschaft und einem MBA verfüge ich über ein solides finanzielles und unternehmerisches Fundament. Den Großteil meiner Karriere habe ich jedoch in internationalen Unternehmen während Phasen rasanten Wandels und komplexer Übergänge verbracht. Was wirklich den Unterschied macht, ist nicht nur die akkurate Analyse – es ist auch die Führung: Sicherheit in der Unsicherheit schaffen, schwierige Entscheidungen mit Respekt treffen und den Weg nach vorn aufzeigen.“

Führung im Wandel – mit Präzision und Empathie

Als Führungskraft glaubst Ilona Åkerlind an Klarheit, Präsenz und Mut:

Ich war oft die einzige Frau im Managementteam oder im Vorstand. Das hat mich gelehrt, standhaft zu bleiben, klar zu kommunizieren und stets integer zu handeln. Ich traue mich, schwierige Entscheidungen zu treffen – aber auf eine Weise, die den Respekt für Menschen und die Aufgabe wahrt. Als Interim-Manager:in ist es entscheidend, sowohl das große Ganze als auch die Details schnell zu erfassen. An einem Tag sitzt man im Vorstand und gestaltet die Strategie, am nächsten Tag genehmigt man Investitionen und coacht eine Junior-Finanzmitarbeiterin – man muss auf beiden Ebenen genau wissen, was benötigt wird. Veränderungen und Reorganisationen lösen oft Ängste in Teams aus. Ich habe viele Transformationen geleitet und dabei gelernt: Der Schlüssel liegt im Vertrauen des Teams – und dieses Vertrauen muss schnell entstehen. Gerade als Interim-Führungskraft ist das besonders herausfordernd, da das Team einen nicht unbedingt als langfristige:n Vorgesetzte:n sieht. Die Kunst liegt darin, Veränderungen durchzusetzen, die den Alltag beeinflussen, und gleichzeitig das Team zu coachen, zu motivieren und weiterzuentwickeln, sodass es sich befähigt und eingebunden fühlt. Nur so kann man das gesamte Team mitnehmen – auch in schwierigen Situationen. Gleichzeitig ist es entscheidend, dass das Unternehmen in diesem Prozess keine Schlüsselpersonen verliert. Deshalb müssen Interim-Manager:in und Geschäftsleitung gemeinsam sicherstellen, dass Veränderung nicht ins Chaos führt. Dafür braucht es ein klares Mandat, selbst wenn der Einsatz mitunter nur vier bis neun Monate dauert.“

Wann sollte ein Unternehmen eine:n Executive Interim-Manager:in hinzuziehen?

Das kann eine Führungslücke infolge einer Restrukturierung sein, eine Übernahme oder Fusion, eine Krise oder eine ausbleibende Transformation. In all diesen Situationen braucht man jemanden, der oder die sofort beitragen kann – ohne lange Einarbeitungszeit. Man bezahlt nicht für die Verwaltung, sondern für Bewegung. In manchen Fällen geht es auch um Wachstumsunternehmen, die eine:n erfahrene:n CFO oder CEO benötigen, aber nicht fünf Tage die Woche. Dann kann ein:e Teilzeit-Expert:in schnell das Kompetenzniveau erhöhen, das Team neu aufstellen oder neue Strukturen schaffen – ohne dass das Unternehmen die vollen Kosten tragen muss. Diese Lösung ist international bereits etabliert, und ich bin überzeugt, dass Unternehmen schneller wachsen könnten, wenn sie sich trauen würden, so zu denken. Ein weiteres Einsatzfeld sind Interim-Vorstands- und Aufsichtsratsmandate. Wenn Unternehmen vor großen Veränderungen stehen, kann eine externe, erfahrene Interim-Führungskraft im Vorstand oder im Aufsichtsrat genau die Kompetenz und Entschlossenheit einbringen, die für den nächsten Schritt notwendig sind.“

Schließung von Büros in Frankreich und der Liquidation mehrerer Tochtergesellschaften

Sie haben rund 20 Reorganisationen im Zusammenhang mit M&As begleitet – von großen Carve-outs in börsennotierten Unternehmen bis hin zu internationalen Integrationen in Private-Equity-Umfeldern. Ein Beispiel: Kürzlich haben Sie eine Unternehmensgruppe bei der Schließung von Büros in Frankreich und der Liquidation mehrerer Tochtergesellschaften unterstützt.

„Ein Konzern, der durch Fusionen gewachsen ist, hat fast immer Potenziale, seine Struktur zu vereinfachen und Kapital freizusetzen – durch die Auflösung von Einheiten, die keinen Mehrwert mehr liefern. Oft sind das historische Einheiten, die nur mehr Eigenkapital binden.“

Ilonas Åkerlinds Sprachkenntnisse und ihre Berufserfahrung mit französischen Unternehmen waren entscheidend dafür, das Projekt schnell und kosteneffizient umzusetzen. Eine Interim-Führungskraft mit internationaler Erfahrung kann auch dann ein zentraler Erfolgsfaktor sein, wenn Unternehmen neue Märkte erschließen wollen. Interim Manager:innen sind dabei oft deutlich wirkungsvoller als der Rückgriff auf teure Berater:innen und Anwaltskanzleien.

„In manchen Fällen konnte ich zeigen, dass Unternehmen neue Resultate erzielen können, indem sie vorhandene Kapazitäten nutzen. Oft geht es nicht nur um Strukturen und Prozesse, sondern darum, ungenutztes Potenzial im Team zu erkennen und zu nutzen. Ich habe häufig versteckte Talente gefunden, einfach weil sich vorher niemand die Zeit genommen hat, dem Team richtig zuzuhören oder Gespräche zu führen. In anderen Situationen habe ich übergangsweise die CEO-Rolle übernommen – manchmal, um bestehende Funktionen wie Vertrieb und HR zu stärken, manchmal, um neue wie Risk, Compliance oder Security aufzubauen. Entscheidend ist für mich nicht nur die Umsetzung, sondern dass die Teams sich unterstützt fühlen und die Instrumente bekommen, die sie zum Erfolg brauchen.“

Berufung für Veränderung

Für Ilona Åkerlind geht es in Interim-Mandaten nicht darum, den Status quo zu erhalten. Es geht um Impact, also darum, Wirkung dort zu erzielen, wo sie am meisten gebraucht wird:

„Ich bin nicht hier, um zu verwalten – ich bin hier, um einen Unterschied zu machen. Mit Struktur, Tempo und stets mit Fokus auf Business Value und Ergebnis.“

Oder wie sie es noch knapper formuliert: „Ich mache aus Chaos Cash.“

Was sollte sich in der Branche der Executive Interim Manager:innen verändern?

„Mehr Diversität – mehr Frauen, insbesondere Frauen mit internationalem Hintergrund. Interim Management wächst rasant, und unterschiedliche Perspektiven sind entscheidend, um Wettbewerbsfähigkeit und bessere Entscheidungen zu ermöglichen. Es ist ein wirtschaftlicher Faktor, ein Zukunftsthema – und ein Schritt in Richtung einer inklusiveren Gesellschaft.

Qualität durch Beziehungen – Die Branche für Executive Interim Management ist in den letzten Jahren stark gewachsen – ein deutliches Zeichen für den steigenden Bedarf an Change Leadership. Konkurrenz fördert Qualität, aber Wachstum erhöht auch den Anspruch an Professionalität. Für mich ist entscheidend, dass es nicht nur um das Füllen von Datenbanken und schnelle Matches geht – sondern darum, die Kandidat:innen wirklich zu kennen. Wenn es richtig gemacht wird, bekommt das Unternehmen nicht nur einen Lebenslauf, der gut aussieht, sondern eine Führungskraft mit der passenden Erfahrung. Ich habe den Unterschied selbst als Auftraggeberin erlebt – deshalb frage ich Interim-Anbieter:innen immer, wie gut sie ihre Kandidat:innen wirklich kennen.

Die erfolgreichsten Provider sind die, die langfristige Beziehungen zu Kund:innen und Kandidat:innen aufbauen. Große Datenbanken und schnelle Vermittlungen mögen beeindruckend wirken – aber echter, nachhaltiger Wert entsteht durch Qualität und Tiefe.“

Haben Sie einen Rat für Führungskräfte, die vor ihrem ersten Interim-Einsatz stehen?

„Sei ehrlich – zu Dir selbst und zu den Kund:innen. Lieber zu viel liefern als zu viel versprechen. Sei transparent und klar in Bezug auf deine Stärken, aber auch deine Grenzen. Bewahre deine professionelle Integrität. Reflektiere nach jedem Einsatz: Was hat aus Kundensicht echten Mehrwert geschaffen? Was könnte man verbessern? Ich versuche immer, zwischen zwei Mandaten eine kurze Pause einzulegen, um zu reflektieren, zu lernen und mir neue Werkzeuge anzueignen. Trotz meiner langjährigen Erfahrung im operativen und regulatorischen M&A-Bereich habe ich zum Beispiel kürzlich erkannt, dass ich meine strategische Seite stärken sollte. Deshalb habe ich ein Zertifikat in M&A Strategy an der INSEAD erworben. Jetzt widme ich mich dem nächsten Lernfeld – KI im Finanzbereich – ich liebe es. Das könnte ein Thema für unser nächstes Interview sein!“