Wer die schlechte Zahl selbst auf den Tisch legt, bleibt am Steuer

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Unser Interim Manager Wolfgang Fischer erklärt in seinem Restrukturierungstipp, warum Transparenz in der Krise entscheidend ist: In fast jeder Restrukturierung gibt es diesen einen Moment: Eine Zahl steht fest, sie ist deutlich schlechter als geplant – und im Raum sitzen Menschen, die überlegen, ob und wann sie kommuniziert werden muss. 

Die Antwort ist fast immer: sofort. Nicht aus moralischen Gründen. Sondern weil die Alternative teurer werden kann und wichtiges Vertrauen kostet.  

Denn die Zahl kommt ohnehin ans Licht. Über das nächste Reporting, den Kontoverlauf, einen Lieferanten, den Markt.  

Der Unterschied in der Praxis: 

Variante A – die Geschäftsführung meldet sich von sich aus: „Wir werden den Plan verfehlen. Hier sind die Ursachen, hier die aktualisierte Liquiditätsvorschau, hier drei Maßnahmen mit Verantwortlichen – und der Termin, an dem Sie den nächsten Stand bekommen.“ 
Das Gespräch dreht sich um Maßnahmen und proaktives Handeln des Managements. 

Variante B – die Bank entdeckt die Abweichung selbst. 
Das Gespräch dreht sich ab diesem Tag um eine andere Frage: Was wissen wir sonst noch nicht? Und diese Frage beantwortet man nicht mit Argumenten, sondern mit engerem Reporting, nachverhandelten Sicherheiten und einem externen Gutachten. 

Gleiche Zahl. Völlig unterschiedliche Position. 

Was Transparenz in der Krise praktisch bedeutet: 

  1. Geschwindigkeit vor Vollständigkeit. „Wir haben eine Abweichung, die Details liefern wir Freitag“ ist stärker als drei Wochen sauberer Aufbereitung im Stillen. 
  1. Bandbreiten statt Punktprognosen. Wer in der Krise auf zwei Nachkommastellen plant, verliert seine Glaubwürdigkeit beim ersten Ist-Vergleich. Offengelegte Annahmen und mehrere Szenarien wirken souveräner als jede Punktlandung, die keine ist. 
  1. Keine Zahl ohne Maßnahme. Eine schlechte Nachricht ohne Gegenmaßnahme und Termin ist keine Information – sie ist eine Kapitulation. 
  1. Das gilt auch nach innen. Belegschaften erkennen eine Krise in der Regel vor dem Berichtswesen: an gestoppten Investitionen, an Mahnungen, an den Beratern im Haus. Ein Informationsvakuum füllt sich immer – nur selten mit Fakten. 

Transparenz wird oft kontrovers diskutiert. Tatsächlich ist sie vor allem eine Frage der Position im weiteren Verlauf der Krisenbewältigung. 

Wer zuerst spricht, setzt den Rahmen: Ursachen, Maßnahmen, Zeitachse. Wer antwortet, arbeitet ab, was andere gesetzt haben. 

Am Steuer bleibt, wer den Kurs vorgibt. Auch dann, wenn der Kurs unangenehm ist.