Was passiert, wenn wirtschaftliche Neuausrichtung, öffentlicher Auftrag und Kund:innenorientierung aufeinandertreffen? In Hillerød, nördlich von Kopenhagen, zeigt ein Projekt bei Royal Stage, wie Transformation im Spannungsfeld zwischen Gemeinwohl und Geschäft gelingen kann – unter der Leitung einer erfahrenen Interim Managerin mit einem klaren Fokus auf Strategie und Umsetzung.
Als Rikke Dræbye Gantzhorn von Nordic Interim – A Valtus Company für ein befristetes Mandat kontaktiert wurde, hatte sie ursprünglich nicht vor, eine neue operative Führungsrolle anzunehmen. Doch die Herausforderung war zu spannend: Sie übernahm die Rolle der Interim-Direktorin der Royal Stage, eines multifunktionalen Sport-, Event- und Konferenzzentrum mit rund 50 Mitarbeiter:innen. Statt innerhalb der klassischen hierarchischen Struktur zu arbeiten, war Rikke Dræbye Gantzhorn als Projektleiterin direkt dem Aufsichtsrat unterstellt – eine ungewöhnliche, aber im ersten Schritt wirkungsvolle Konstellation.
„Ich war nicht Teil des Managementteams und musste auch nicht an die bestehende Geschäftsführung berichten. Dennoch war ich mitten in der Organisation, und ich konnte mit der nötigen Neutralität und Klarheit arbeiten“, erläuterte Rikke Dræbye Gantzhorn der Interviewerin Jannike Falkman.
Ein Zentrum im Wandel
Royal Stage ist das größte Kurs- und Konferenzzentrum in Nordsjælland in Dänemark. Die Einrichtung umfasst u.a. 14 Tagungsräume, drei Sport- und Ausstellungshallen, ein Schwimmbad, ein Restaurant, Bankettsäle, ein Therapie- und Trainingszentrum sowie großzügige Außenanlagen. Die Arena als größte Halle hat ein Fassungsvermögen von 3.017 Plätzen. Neben Konferenzen und Sportveranstaltungen finden hier auch Theateraufführungen und Konzerte statt – ein Konzept, das für viele Städte und Regionen von Interesse ist, wo Multifunktionalität, Wirtschaftlichkeit und öffentlicher Auftrrag Hand in Hand gehen müssen. Träger von Royal Stage ist die Kommune Hillerød.
Von der Projektleiterin zur Interim CEO
Ursprünglich war der Einsatz auf wenige Monate begrenzt – doch bereits nach acht Wochen beschloss der Aufsichtsrat, einen Führungswechsel vorzunehmen, und bot Gantzhorn die Rolle der interimistischen CEO an. „Ich konnte dadurch nahtlos weiterarbeiten – aber nun mit voller operativer Verantwortung. Für beide Seiten war es ein sinnvoller Testlauf.“
Für Gantzhorn war klar: Die Transformation war notwendig – sowohl auf struktureller als auch kultureller Ebene. Ihr Fokus lag auf der kommerziellen Neuausrichtung, der Verbesserung der Abläufe und einer konsequent nutzer:innenzentrierten Ausrichtung.
„Zwei Jobs in einem“
„Man führt den täglichen Betrieb – und gleichzeitig die strategische Transformation“, sagt sie. „Diese Dualität ist herausfordernd, aber auch das, was mich begeistert: die Menschen, das Potenzial, die Projekte.“
Besonders wichtig war ihr die enge Zusammenarbeit mit der Kommune, die Eigentümerin des Zentrums ist. Die Kunst liege darin, wirtschaftliches Denken mit dem öffentlichen Auftrag zu verbinden. „Wir kombinieren ein kommerzielles Mindset mit einem Serviceverständnis aus dem öffentlichen Bereich. Das heißt: Qualität, Nutzer:innenerlebnis und Kundenservice stehen im Vordergrund.“
Diese Transformation erfordert laut Gantzhorn neue Kompetenzen, moderne Preisgestaltung, agile Prozesse – und ein Umdenken in der gesamten Organisation. „Die Bereitschaft zur Veränderung ist da. Wir haben ein Momentum, das man nutzen muss.“
Interim Management als strategisches Instrument
Rikke Draebye Gantzhorn sieht den Einsatz von Interim Management heute mit anderen Augen. „Früher dachte ich, das seien einfach Manager:innen zwischen zwei Jobs. Heute sehe ich es als strategisches Instrument, um gezielt Erfahrung und Tempo einzubringen – genau dort, wo es notwendig ist.“
Gerade in öffentlichen oder hybriden Einrichtungen – wie viele es auch in Österreich gibt – könne eine neutrale, externe Führungsperson oft rascher und effektiver agieren, meint sie. „Ich hatte keine vorgefertigte Rolle – das hat viel Offenheit erzeugt und schnelle Ergebnisse ermöglicht.“
Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Nordic Interim – A Valtus Company
Auch die Partnerschaft mit dem Interim Management Provider Nordic Interim funktionierte reibungslos: „Ich wurde über den gesamten Prozess professionell begleitet – das gab Sicherheit und Struktur.“
Privates Gleichgewicht
Neben ihrer Rolle als Interim Managerin legt Gantzhorn Wert auf Ausgleich: Sie lebt mit ihrem Mann und ihren jugendlichen Zwillingssöhnen in Dänemark, liebt Outdoor-Aktivitäten, Laufen und Zeit mit Freund:innen. Wer Kopenhagen besucht, dem empfiehlt sie ein Fußballspiel im Parken-Stadion, einen Besuch im Tivoli, dänisches Gebäck – und einen Spaziergang entlang des Hafens.
Fazit für den österreichischen Kontext
Was sich aus dem Beispiel Royal Stage lernen lässt: Interim Management kann ein wirkungsvolles Instrument sein – gerade bei öffentlich getragenen Einrichtungen mit kommerziellem Auftrag. Die Kombination aus betriebswirtschaftlichem Fokus und öffentlicher Verantwortung ist in Österreich vielerorts Realität: von Stadthallen über Sportzentren bis hin zu Tourismus- und Kulturinfrastruktur. Erfolgreicher Wandel braucht Führung – aber auch den Mut, neue Wege zu gehen. Der Einsatz von Interim Manager:innen ist eine strategische Option.
