Unser Executive Interim Manager Harald Fritsch arbeitet in seinem Restrukturierungstipp die Funktion des Interim CFOs als objektiver Teamplayer und Lösungskoordinator in einer Krisensituation heraus.
Eine Unternehmenskrise hat immer eine oder mehrere Ursachen, die sich retrospektiv meistens relativ einfach analysieren und festmachen lassen. Sie basiert somit auf Managemententscheidungen, die sich folglich als Fehlentscheidungen herausgestellt haben: Produktentwicklungen, die dann nicht auf die erwartete Marktnachfrage treffen, Investitionen in Gebäude und Anlagen unter zu optimistischen Investitionsrechnungen oder eine Übernahme eines vermeintlich attraktiven Targets, das dann doch keinen so guten Fit darstellt wie erwartet oder schwer zu integrieren ist – um nur einige wenige zu nennen.
Was auch immer eine Krise ausgelöst hat: Irgendjemand hat in der Vergangenheit Entscheidungen getroffen, die aus heutiger Sicht falsch waren. Irgendjemand hat somit einen Fehler gemacht. Irgendjemand ist somit schuld.
Managemententscheidungen sind jedoch Daily Business einer jeden Führungskraft, egal ob es große oder kleine Entscheidungen sind. Und die Entscheidungen basieren immer auf Annahmen und Erwartungen. In einem volatilen oder sich ändernden Umfeld könnten nach bestem Wissen und Gewissen getroffene Entscheidungen im Nachgang falsch sein. Andere Entscheidungen mögen dagegen zu deutlich besseren Ergebnissen als erwartet führen.
Selbstverständlich muss bei Restrukturierungen wie im Leitfaden Fortbestehensprognose und für IDW S6 Gutachten gefordert eine Analyse der Krisen- und Verlustursachen erfolgen. Es ist wichtig, dass Eigentümer:innen, Berater:innen und Management hier ein gemeinsames Verständnis haben und dass man nicht oberflächliche externe Anlässe mit den tatsächlichen und oft tieferliegenden Verlustursachen verwechselt. Aber das muss ohne Besserwisserei, ohne Finger pointing und ohne personifizierte Sündenböcke erfolgen. Es ist nämlich entscheidend, als Team den Blick unmittelbar nach vorne zu richten. Es werden keine Schuldigen identifiziert und „Was wäre, wenn“-Analysen gemacht. Der Fokus liegt voll auf der Analyse der Potenziale und der Identifikation von krisenmindernden Maßnahmen.
Folgende Fragen sollten im Mittelpunkt stehen:
- Gibt es eine zuverlässige Liquiditätsplanung und deutet diese auf Liquiditätsengpässe hin? Wie kann schnell gebundene Liquidität freigesetzt werden?
- Gibt es ein detailliertes, laufendes Reporting? Wo kann die Kostenstruktur optimiert werden? Gibt es stille Lasten oder Reserven?
- Gibt es absatzfördernde Maßnahmen?
- Welche strategischen Maßnahmen kommen in Betracht, um schneller aus einer Krise zu kommen?
Fazit:
Suche nicht die Schuldigen. Finde die konkreten Maßnahmen aus der Krise.
