Private Equity als Auftraggeber und Eigentümer
Vor 25 Jahren befand sich die europäische Private-Equity-Branche noch in einer frühen Entwicklungsphase und musste sich erst eine Position im Markt schaffen. Heute ist PE zu einem zentralen Treiber für Unternehmenstransformation, Kapitalallokation und Wertschöpfung auf dem gesamten Kontinent geworden.
Vor 25 Jahren wurden VALTUS und Management Factory gegründet. Damals war das Konzept von Interim Management noch weitgehend unbekannt. Heute ist Europa mit einem Honorarvolumen von € 2,8 Mrd. der mit Abstand größte Markt für Executive Interim Management Lösungen, größer als Amerika, Asien, Austrialien und Afrika zusammen..
Executive Interim Manager:innen und Interim Management Provider versuchen gezielt, PE Funds als Auftraggeber zu gewinnen. PE Funds ihrerseits greifen aktiv auf Executive Interim Manager:innen für ihre Portfolio Unternehmen zurück, und sie haben Interim Management Provider als Targets für ihr Portfolio identifiziert.
Dieser Artikel gibt einen Einblick in die aktuelle Dynamik mit Blitzlichtern zu einigen europäischen Ländern und einen Überblick über die Beteiligung von PE Funds an Interim Management Providern.
Die kommenden 25 Jahre stellen für beide Seiten eine große Chance dar. Vieles spricht dafür, dass PE Funds und Executive Interim Management Provider weiterhin eng zusammenarbeiten werden.
Der PE-Markt nimmt wieder Fahrt auf
Nach zwei Jahren gedämpfter Aktivität bewegt sich der europäische Private-Equity-Markt von einer Phase der Stabilisierung hin zu neuer Dynamik. Laut dem European Private Equity Outlook 2026 von Roland Berger erwarten mehr als 75 % der befragten Branchenexperten, dass die Zahl der M&A-Transaktionen mit Beteiligung von Private-Equity-Investoren im Jahr 2026 gegenüber 2025 steigen wird.
Dieser Optimismus basiert auf mehreren Faktoren: aufgeschobene Exits kommen nun auf den Markt, Bewertungsdifferenzen zwischen Käufern und Verkäufern verringern sich, und die Finanzierungsbedingungen verbessern sich.
Die gesamte europäische Deal-Aktivität zeigt bereits erste Anzeichen einer Erholung. Das Transaktionsvolumen stieg von 2024 auf 2025 um 13 %, wobei insbesondere die Skandinavien, Großbritannien und die DACH-Region das Wachstum anführten.
Allerdings konzentriert sich die Erholung zunehmend auf größere Transaktionen. Im Jahr 2025 stieg der globale Deal-Wert im Private-Equity-Markt um 19 % auf 2,6 Billionen US-Dollar, während die Anzahl der Deals insgesamt um 5 % zurückging. Der Anstieg ist somit ausschließlich auf die steigende Durchschnittsgröße der Transaktionen zurückzuführen.
In Europa zeigt sich derselbe Trend: Während der Wert der einzelnen Deals in Nordamerika um 29 % zunahm, verzeichnete Europa einen Anstieg von immerhin 8 %. Der Markt wird selektiver mit weniger und dafür deutlich größeren Transaktionen.
Das sind gute Nachrichten für erfahren Executive Interim Manager:innen. Denn PE-Funds haben klare Ziele, sie brauchen rasch messbare Ergebnisse, sie wissen um die Bedeutung von Führung und in der PE-Denke (Stichwort „normalized EBIDTA multiple“) ist die die Amortisationsrechnung schnell gemacht: Ein etwas höheres EBITDA und / oder ein besserer Multiple beim Exit, und die Investition in eine:n Top Executive Interim Managerin hat sich schon ausgezahlt.
Björn Henriksson, Group CEO von VALTUS, bringt das auf den Punkt: „In komplexen Situationen – etwa bei Post-Merger-Integrationen, Carve-outs, Buy-and-Build-Plattformen oder grenzüberschreitenden Transaktionen – geht häufig Wert verloren: zwischen Planung und Umsetzung, zwischen Synergiezielen und realem GuV-Effekt, zwischen IT-Systemen und belastbaren Daten oder zwischen Governance-Strukturen und operativen Entscheidungen im Alltag. Feste Managementteams sind oft überlastet. Executive Interim Manager:innen schaffen hier eindeutig Mehrwert, weil sie sofortige Umsetzungskapazität, klare Verantwortlichkeit und erprobte Vorgehensweisen aus vergleichbaren Situationen mitbringen.“
Welche Sektoren prägen die nächste Ära von PE?
Die Branchenlandschaft im europäischen Private Equity verändert sich spürbar. Technologie, Software und digitale Lösungen führten 2025 mit rund 800 Transaktionen das Deal-Geschehen an. Auch für 2026 werden in diesem Bereich die höchsten Wachstumsraten erwartet (Roland Berger).
Gleichzeitig entwickelt sich Infrastruktur zu einem wichtigen neuen Investitionsfeld. Besonders in Deutschland dürfte das öffentliches Investitionsprogramm mit rund 500 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 200 bis 250 Milliarden Euro auslösen. Überproportional stark profitieren davon voraussichtlich die Bereiche Mobilität, Energienetze und spezialisierter Tiefbau.
„Deutschlands groß angelegte Infrastrukturprogramme schaffen enorme Wertschöpfungspotenziale auf der Umsetzungsebene. Portfoliounternehmen von PE-Funds und Family Offices können rasch skalieren, indem sie Interim Executives einsetzen, PMO-Strukturen professionalisieren und Margendisziplin im Umfeld von Inflation und Lieferkettenvolatilität wiederherstellen. Interim CEOs, COOs und CFOs beschleunigen Entscheidungsprozesse, schließen Governance-Lücken und verwandeln öffentliche Fördermittel in planbare Cashflows“ meint Manoj George, Partner bei VALTUS Deutschland.
Auch der Healthcare- und Pharmasektor setzte 2024 und 2025 seinen strukturellen Aufstieg fort und verzeichnete ein Deal-Wachstum von 41 %.
Dazu meint Emmanuel Fretti, Senior Partner bei VALTUS Frankreich: „In Frankreich und ganz Europa wird das Wachstum von Private Equity besonders in Branchen stark sein, in denen Buy-and-Build-Strategien und operative Transformation skalierbaren Mehrwert schaffen – insbesondere im Bereich Healthcare Services, bei technologiegestützten B2B-Plattformen sowie in spezialisierten Industrienischen rund um die Energiewende. Diese Märkte sind fragmentiert und geprägt von inhabergeführten Mid-Cap-Unternehmen. Unsere Arbeit bei Valtus mit PE-finanzierten Scale-ups und Healthcare-Unternehmen zeigt: Der entscheidende Differenzierungsfaktor ist die Fähigkeit, Wertschöpfungsprogramme schnell und konsequent durch erfahrene Führungskräfte umzusetzen.“
Auch in Italien schätzt Pietro Butté, Partner bei Valtus Italien, das Umfeld für Private-Equity-Investitionen positiv ein: „Die Stärke Italiens liegt in traditionellen Industrien wie der verarbeitenden Industrie und im Luxusgüterbereich – Sektoren, die in den kommenden zehn Jahren verstärkt Private-Equity-Interesse auf sich ziehen dürften. Darüber hinaus spielt der Bereich erneuerbare Energien eine wichtige Rolle, nicht zuletzt durch den italienischen Nationalen Aufbau- und Resilienzplan (PNRR), der durch erhebliche EU-Mittel unterstützt wird und einen starken Fokus auf grüne Investitionen legt.“
Auch Business Services, Financial Services und MedTech bleiben attraktive Bereiche für Private-Equity-Investoren – insbesondere aufgrund ihrer Skalierbarkeit und stabilen, wiederkehrenden Umsätze.
Wie ist das aktuelle PE Umfeld in Österreich?
Auch in Österreich befinden sich PE-Investitionen nach mehreren schwierigen Jahren wieder auf Wachstumskurs. Ein Hauptgrund für die aktuellen PE-Investitionen sind die anstehenden Unternehmensnachfolgen. Viele Unternehmer der „Nachkriegsgeneration“ ziehen sich zurück, oftmals fehlen geeignete Führungspersönlichkeiten in der Familie, damit wird der Weg frei für Unternehmenskäufe durch PE-Häuser. Der größte PE-Anbieter in Österreich, die Invest AG, hat einen Schwerpunkt in der Mehrheitsübernahme von familiengeführten Unternehmen. Oftmals wird die Investition von geeigneten Interim-Manager:innen begleitet.
„Wir durften bereits einige Transaktionen bei Unternehmensnachfolgen begleiten. Interim Manager:innen müssen bei diesen Fällen eine besondere Begabung und ein Gespür im Umgang mit der Kultur des vormals familiengeführten Unternehmens haben,“ meint Gerhard Wüest, Partner von VALTUS Management Factory.
Auch Axel Kühner, ehemaliger CEO der Greiner AG sowie ehemals Top-Manager bei Daimler, verspricht sich von einer Kombination aus Interim Management und Private Equity viel im Kontext von Unternehmensnachfolgen.
PE-Funds investieren in europäische Executive Interim Management Provider
Während Interim Manager:innen gerne für PE-Funds arbeiten, investieren PE-Funds zunehmend in Professional Service Firms und in Interim Management Provider. Ein gutes Beispiel hierfür ist VALTUS, an dem Société Générale Capital Partenaires und GENEO Capital Entrepreneur seit mehreren Jahren beteiligt sind. Im Februar 2026 stieg mit Polaris Equity ein neuer Mehrheitsinvestor ein. Polaris Equity wurde vor knapp 30 Jahren von der Møller-Mærsk Familie und einigen dänischen Finanzinstitutionen gegründet, um Unternehmen mit Wachstumspotenzial bei der Expansion zu unterstützen. Polaris Equity kennt VALTUS über die skandinavischen Büros von VALTUS Nordic Interim seit vielen Jahren und griff für seine Portfolio Beteiligungungen bereits in der Vergangenheit immer wieder auf Interim Manager:innen von VALTUS Nordic Interim zurück.
Aber auch AlixPartners arbeitet seit langem mit PE Funds zusammen (2006 Hellmann & Friedmann, 2012 CVC Capital Partner, aktuell zwei kanadische Pensionsfonds), und auch Atreus in Deutschland befindet sich mittelbar in PE-Besitz: 2023 von Heidrick & Struggle erworben (damals noch in NY börsenotiert) gibt hier nach dem Delisting Ende 2025 ein Investorenkonsortiums rund um Advent International und Corvex Private Equity den Ton an. Ja selbst „altehrwürdige“ europäische Provider wie EIM haben angefangen mit PE Funds zusammenzuarbeiten: Für die internationale Expansion, z.B. den Kauf der Magnalia Group mit Management Angels und Gronova, ging EIM 2023 eine Partnerschaft mit dem französischen Growth-Equity-Fonds idiCo ein.
Warum investieren PE Funds in Interim Management Provider?
Während wir über die Beweggründe der PE Funds bei AlixPartners, Heidrick & Sruggles / Atreus und EIM nur mutmaßen können, bei der dänischen Polaris Equity kennen wir sie aus erster Hand:
- Seit vielen Jahren wächst der Executive Interim Management Markt an der Schnittstelle von Consulting und Executive Search, und er ist noch nicht konsolidiert.
- VALTUS hat einen guten Track Record beim Erwerb von Providern in anderen Ländern (UK, Schweden, Dänemark, Finland, Österreich, Deutschland, Italien, Schweiz).
- Mit der VALTUS Alliance und einer Partnerunternehmen in über 30 Ländern auf vier Kontineten sind weitere Expansionsschritte bereits vorgezeichnet.
- Die Nachfrage von internationalen Konzernen und großen PE-Funds nach erfahrenen Executive Interim Manager:innen steigt von Jahr zu Jahr, womit Provider mit cross border Kapazitäten einen Vorteil haben.
- Immer mehr Top Manager wählen eine Karriere im Executive Interim Management, d.h. nicht nur die Nachfrage, auch das Angebot steigt quantitativ und qualitativ.
- KI wird im Providermarkt zu einem Gamechanger werden. Neue operating models werden entstehen.
- Restructuring gilt als „Königsdisziplin“ im Interim Management und VALTUS hat hier mit seinem Netzwerk an Restrukturierungsexpert:innen eine gute Position.
- VALTUS gilt international als Premium Brand, was beim stark wachsenden Angebot an Interim Manager:innen und der damit einhergehenden Unübersichtlichkeit Vertrauen auf Seite der Auftraggeber:innen schaffen kann.
- VALTUS ist bereits heute eine internationale Firma mit internationalem Management. Das Headquarter ist in Paris, der CEO ist mit Björn Henriksson ein Schwede und der Hub mit der größten Restrukturierungsexpertise sitzt in Wien. Das ist eine gute Basis für eine weitere Expansion.
- Polaris ist vom Mehrwert von Interim Management überzeugt und setzt selber seit langem Interim Manager:innen in seinen Portfolio Unternemen ein.
Mehr zu den Beweggründen von Polaris Equity, in Valtus zu investieren und zur Einschätzung dieses PE Funds zum Interim Management Markt, können Sie in einem Interview mit Johan Pålsson und Karin Möllborg lesen.
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob auch die internationale Netzwerke von Interim Management Providern wie IXPA, IMW, WIL und AltoPartners auf die Unterstützung von PE Funds zurückgreifen werden, um so in weiteres Wachstum, in KI und in Qualität investieren zu können.
Das nächste Kapitel für Private Equity und Interim Management in Europa
Die nächsten 25 Jahre werden im Private Equity und im Executive Interim Management nicht allein durch das Volumen des eingesetzten Kapitals und durch die Menge der verfügbaren Interim Manager.innen bestimmt werden – sondern durch die Intelligenz und Präzision, mit der Kapital und Führungskompetenz eingesetzt werden.
Die PE Funds und die Executive Interim Provider, die bei den gemanagten Portfolio Unternehmen nachhaltig technologische Kompetenz, operative Exzellenz und nachhaltiges Wachstum miteinander verbinden können, werden die nächste Generation europäischer und im Idealfall globaler Marktführer hervorbringen.
Björn Henriksson formuliert es so: „In großen, komplexen Transaktionen schafft Strategie Potenzial. Interim Manager:innen machen aus diesem Potenzial Realität.“
Private Equity und Executive Interim Management sind aufeinander angewiesen, und sie sind eine gute Kombination, um europäische und globalen Champions zu bauen.
Quellen:
Roland Berger, European Private Equity Outlook 2026
EY, Private Equity Pulse: key takeaways from Q4 2025
McKinsey, Global Private Markets Report 2026, Februar 2026
Valtus Alliance Whitepaper: Der erste globale Überblick zu Executive Interim Management
