Restrukturierung ante portas: Der CFO als Architekt der Resilienz

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Unser Interim Manager und Financial Advisor David Bauer arbeitet in seinem Restrukturierungstipp die Funktion des CFOs als „Architekt der Resilienz“ heraus.

Nach zwei Jahren Rezession rechnet das WIFO heuer mit stagnierender Wirtschaftsleistung. Gepaart mit der vorherrschenden geopolitischen Unsicherheit, leidet die Industrie weiterhin unter schwacher Auslandsnachfrage, hohen Lagerbeständen und strukturellen Kostennachteilen. Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Österreich ist nach wie vor auf einem Höchststand.

In diesem herausfordernden Umfeld ist es für CFOs essenziell, zu stabilisieren und die Grundlagen für eine erfolgreiche Restrukturierung zu schaffen:

1. Integrierte Planung als Gamechanger

Ein professionelles Konzept basiert immer auf einer integrierten Planungsrechnung – GuV, Bilanz und Cashflow eng verzahnt, rollierend 12–18 Monate voraus mit folgenden essenziellen Bausteinen:

  • Liquiditätsplanung, in sehr kritischen Phasen auch tagesaktuell
  • Szenarioanalysen (Best/Base/Worst Case) inkl. Zins- und Kostenvolatilität
  • Maßnahmencontrolling (zB. für Kostensenkung, Prozessoptimierung) mit klar quantifizierten Ergebniseffekten
  • Covenant-Headroom-Monitoring zur Vermeidung von Kreditvertragsbrüchen

2. Frühwarnsysteme statt Bauchgefühl

Es reicht längst nicht mehr, sich auf klassische Finanzkennzahlen wie Umsatz, EBIT oder Liquiditätsbestand zu verlassen. Entscheidend sind Frühindikatoren, die Entwicklungen im operativen Geschäft sichtbar machen, um proaktiv gegensteuern zu können:

  • Auftragsbestand im Verhältnis zur Kapazitätsauslastung – liefert Hinweise auf drohende Unter- oder Überauslastung und ermöglicht frühzeitige Anpassungen in Produktion und Personalplanung.
  • Lagerreichweiten und Working-Capital-Entwicklung – zeigen Liquiditätsbindung, potenzielle Engpässe oder Überbestände, die den Cashflow belasten können
  • Margenanalyse pro Produkt- oder Kundengruppe – deckt schleichende Profitabilitätsverluste auf, die in aggregierten Zahlen oft verborgen bleiben
  • Debitorenlaufzeiten / Zahlungsverhalten von Kunden – längere Zahlungsziele oder mehr überfällige Forderungen sind häufig Vorboten von Liquiditätsengpässen im Markt.

Diese und andere relevante Kennzahlen müssen kontinuierlich im Rahmen eines laufenden und zukunftsgerichteten Management-Reportings überwacht werden, um frühzeitiges Handeln zu ermöglichen.

3. Stakeholder-Management als Erfolgsfaktor

In der Restrukturierung sind Banken, Gesellschafter, Lieferanten und Mitarbeitende Teil des Prozesses. Frühzeitige transparente Kommunikation und belastbare Daten schaffen die Grundlage für Stand-Stills, Covenant-Waiver oder frische Finanzierungslinien – bevor externe Zwänge die Handlungsfreiheit einschränken.

Fazit

Restrukturierung beginnt nicht mit dem Sanierungsplan – sie beginnt damit, die richtigen Signale zu erkennen und zu handeln. Wer als CFO integrierte Planung, Szenarioanalysen und Frühwarnsysteme beherrscht und das mit transparenter Kommunikation kombiniert, wird zum Architekten der Resilienz.