Keine nachhaltige Sanierung ohne Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung des Geschäftsmodells – das war die Quintessenz der gestrigen Restrukturierungslounge von Dr. Wieselhuber & Partner GmbH im Haus der Industrie in Wien.

Stephan Hundertmark erläuterte den Unterschied zwischen Restrukturierung und Transformation. Restrukturierungen braucht es immer wieder – auch bei funktionierenden Geschäftsmodelle. Transformationen dauern Jahre und können nur gelingen, wenn operativ und liquiditätstechnisch (wieder) genug Spielraum vorhanden ist. Die europäische Bau- und Bauzulieferindustrie habe sicherlich Restrukturierungsbedarf – ihr Geschäftsmodell sei aber an sich intakt. Die chemische Industrie hingegen müsse sich genauso wie der Maschinen- und Anlagenbau neu erfinden: „From volume to value.“

Anna-Katharina Waldner zeigte die Charts des aktuellen Restrukturierungsbarometers und die Top 3 der Krisenursachen:
1) Managementfehler
2) Nachfragerückgang
3) ein überholtes Geschäftsmodell
Wobei „Nachfragerückgang“ häufig eben genau mit dem nicht mehr passenden Geschäftsmodell zusammenhänge. Auch sie betont die Zweistufigkeit nachhaltiger Sanierungen: Zuerst käme die Existenzsicherung mit der operativen und finanziellen Restrukturierung. Dann folge die strategische Restrukturierung.

Ralph Wiegand, führt aus, wie wichtig es sei, für sein Chinageschäft die richtige Provinz mit einer am jeweiligen Business interessierten Regionalregierung zu finden.

Bei der Podiumsdiskussion brachte Clemens Jaufer noch einen wichtigen Punkt ein: Im Zuge einer gerichtlichen Sanierung kann ein insolventes Unternehmen relativ rasch und einfach bestehende Verträge lösen. Das kann hilfreich sein, wenn eine Änderung des Geschäftsmodells erforderlich ist.

Wirklich Top war dann die Keynote von Prof. Dr. Markus Rex, Klima- und Polarforscher, Leiter der MOSAiC-Arktisexpedition: 90 Institutionen, 20 Nationen, sieben Eisbrecher und 450 Personen drifteten 2019 / 2020 mit einem Budget von € 140 Mio. ein Jahr lang mit dem Packeis durch das Zentrum der Arktis, um herauszufinden, warum sich die Arktis viel stärker erwärmt als alle anderen Weltregionen (mehr als plus 4 Grad Celsius von 1970 bis 2023). 65 Eisbärenbesuche später und auf Basis hunderter wissenschaftlicher Veröffentlichungen lässt sich zumindest eins sagen: Es gibt zwar einen kontinuierlichen Rückgang des arktischen Eises, es dürfte aber keinen Kipppunkt geben, d.h. zumindest theoretisch wäre die Entwicklung auch wieder umkehrbar.

Vielen Dank an Daniel Emmrich und Christoph Strobl für den gelungenen Event.
Von der Management Factory waren Roman Benedetto und Christian Kniescheck vor Ort. Wir haben uns sehr gefreut, zahlreiche Expert:innen getroffen zu haben, u.a. Gabriele Schiemer, Lydia Gepp, Nicole Danis, Lisa Urbas, Brigitta John, Andreas Dörfler, Yvonne Wenzel, Miriam Simsa, David Kohl, Wolfram Huber, Paul Reitbauer, Andreas Kornberger und Kurt Lichtkoppler.

