In mehreren Restrukturierungsmandaten unseres Interim Managers Martin Schwarzböck zeigte sich wiederholt, dass Großaufträge – insbesondere von deutlich größeren Kunden – nicht selten die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens verschlechtern, anstatt sie zu stabilisieren.
Gerade in konjunkturell herausfordernden Phasen erscheint ein umfangreicher Auftrag häufig als Chance. Doch geringe Margen, hohe Anforderungen und erhebliche Risiken sind oft die Realität.
Im Verlauf der Auftragsabwicklung treten regelmäßig kritische Faktoren auf:
- Hohe Ressourcenbindung zulasten bestehender Kunden und Aufträge
- Notwendige Fremdvergaben aufgrund fehlender interner Kapazitäten
- Überlastung von Mitarbeitern
- Ungünstige Auftragsbedingungen großer Auftraggeber
- Unerwartet hoher Finanzierungsbedarf für Working Capital
- Verzögerte Abnahmen sowie Zahlungen und daraus resultierende Liquiditätsengpässe
Diese Entwicklungen können Unternehmen erheblich belasten und im Extremfall in eine akute Krise führen.
Empfehlungen
- Klare Auftragskriterien definieren und Fälle, die diese nicht erfüllen, frühzeitig nicht weiterverfolgen
- „Strategische Aufträge“ nur dann annehmen, wenn ausreichend organisatorische und finanzielle Reserven bestehen
- Professionelles Projekt-, Auftrags- und Claim-Management aufbauen, um auf Augenhöhe mit deutlich größeren Unternehmen agieren zu können
- Finanzierungspartner frühzeitig einbinden und laufend informieren, um Liquiditätsreserven sicherzustellen
- In angespannten Situationen bewusst auf riskante Großaufträge verzichten und bei drohender Unterauslastung stattdessen strukturelle Downsizing -Maßnahmen ergreifen, wie:
- Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle
- Flexibilisierung von Fixkosten durch Outsourcing
- Eliminierung wenig profitabler Produkte/Services/Märkte („Via Negativa“)
- Fokussierung auf margenstarke Kernprodukte
- Abbau redundanter und nicht wertschöpfender Prozesse
- Fokussierte Wachstumsstrategie nach erfolgtem Downsizing
Fazit:
Ein umsichtiges Vorgehen bei der Auftragsannahme ist ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Unternehmensstabilität. Downsizing ist in vielen Fällen die solidere Option als vermeintlich attraktive Großaufträge bei großen Neukunden.
