Andrea Guerra: Transformation der Finanzstrategie bei Hitachi Astemo Portugal

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Andrea Guerra ist ein engagierter und ergebnisorientierter Executive Interim Manager mit über 22 Jahren Erfahrung im Finanz- und operativen Management – sowohl in kleinen als auch in mittelständischen und großen Unternehmen. Andrea verfügt über umfassende internationale Erfahrung aus Führungspositionen in Polen, Mexiko, den USA, Dubai, Portugal und Italien.

Wir haben mit Andrea über das Mandat als Interim CFO bei Hitachi Astemo Portugal gesprochen. Der Einsatz wurde über den Valtus-Alliance-Partner EPUNTO Interim Management organisiert – in einem grenzüberschreitenden Projekt in Zusammenarbeit mit Valtus France. Das Interview führten unser spanischen Partner Emilio del Prado, Juan Manuel Gil de Escobar, Patricio Gil Olmedo und Rafael Bustamante.

Andrea, kannst du uns einen Überblick über deine Rolle als Interim CFO bei Hitachi Astemo Portugal geben?

„Es war ein Privileg, als Interim CFO bei Hitachi Astemo Portugal zu arbeiten. Das Unternehmen ist Teil der Hitachi Astemo Group, einem führenden Player im Automobilsektor mit starkem Fokus auf Innovation und Nachhaltigkeit. Die Ausgangslage war grundsätzlich gut, doch es gab Herausforderungen, die schnelles Handeln erforderten, um das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.“

Wie war die Situation, als du das Mandat annahmst?

„Das Unternehmen war zwar profitabel, bewegte sich aber in einem stark wachsenden Markt. Die zentralen Herausforderungen waren die Prozesse für die Finanzberichterstattung, die Preisstrategie und die Notwendigkeit, die organisatorische Abläufe zu verbessern. Die Geschäftsführung benötigte mehr Klarheit und Agilität, um effektiv auf Marktveränderungen reagieren zu können.“

Was waren die Hauptziele deines Einsatzes?

„Mein Mandat konzentrierte sich auf drei zentrale Ziele:

  1. Verbesserung des Finanzreportings: Die monatlichen Berichte waren wenig transparent, was datenbasierte Entscheidungen erschwerte.
  2. Optimierung der Vertriebs- und Preisstrategien: Ziel war es, wettbewerbsfähige und zugleich nachhaltige Preise in den europäischen Märkten sicherzustellen.
  3. Stärkung organisatorischer Prozesse: Ich wollte die Kommunikation, Zusammenarbeit und Verantwortlichkeit im Team verbessern, um die Effizienz zu steigern.“

Mit welchen Herausforderungen hattest du dabei zu kämpfen?

„Eine zentrale Herausforderung war es, die Unternehmenskultur zu verstehen und lokale Prozesse mit den globalen Standards von Hitachi Astemo in Einklang zu bringen – ohne dabei die lokale Relevanz zu verlieren. Zusätzlich war eine enge Abstimmung mit Stakeholdern in verschiedenen Regionen nötig.“

Wie bist du mit diesen Herausforderungen umgegangen?

„Ich habe eine strategische, aber auch praxisnahe Herangehensweise gewählt:

  • Erstellung eines KPI-Dashboards: Einführung eines umfassenden KPI-Systems, das Echtzeit-Einblicke in die Leistung bietet. Wöchentliche Management-Meetings wurden eingeführt, um diese Kennzahlen zu analysieren und Verantwortung zu stärken.
  • Preisstrategien und Kommunikation: Enge Zusammenarbeit mit dem europäischen Managementteam, um Preisanpassungen transparent und nachvollziehbar zu gestalten – mit standardisierten Frameworks.
  • Anpassungsfähiger Führungsstil: Es war wichtig, sich an verschiedene Kulturen und Organisationsdynamiken anzupassen. Ich habe auf Zuhören, offene Kommunikation und Zusammenarbeit gesetzt, um Vertrauen aufzubauen und Veränderungen voranzutreiben.“

Was waren die wichtigsten Ergebnisse deines Einsatzes?

„Die Resultate waren sehr erfreulich, und die Kund:innen sind mit den Ergebnissen zufrieden. Zu den wichtigsten Erfolgen zählen:

  • Mehr Klarheit im Finanzbereich durch das neue KPI-System, das fundierte Entscheidungen und effizientere Abläufe ermöglicht.
  • Gestraffte Prozesse mit klar definierten Rollen und Verantwortlichkeiten, was Produktivität und Motivation gesteigert hat.
  • Strategisch ausgerichtete Preisgestaltung, die sowohl wettbewerbsfähig als auch profitabel ist.“

Rückblickend – was war aus deiner Sicht der größte Impact deines Mandats?

„Der bedeutendste Effekt war der kulturelle Wandel hin zu datenbasierten Entscheidungen und besserer Zusammenarbeit. Indem wir Verantwortung gefördert und das Team mit den nötigen Tools ausgestattet haben, konnten wir die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und Stabilität in einem dynamischen Markt schaffen.“

Welche Erkenntnisse oder Ratschläge würdest du anderen Interim-CFOs in einer ähnlichen Situation mitgeben?

„Du solltest zuerst die Kultur und die Herausforderungen des Unternehmens verstehen, bevor Du Lösungen vorschlägst. Kommunikation und Anpassungsfähigkeit sind entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und wirkungsvolle Veränderungen umzusetzen. Und: Deine Maßnahmen sollten immer sowohl die lokalen Bedürfnisse als auch globale Standards berücksichtigen – für eine ausgewogene und nachhaltige Wirkung.“

Du hast eine sehr vielfältige Karriere. Wie bist du zum Interim Management gekommen?

„Ich habe 2018 mit dem Interim Management begonnen. Davor war ich in verschiedenen CFO-Rollen tätig und habe in den Bereichen Controlling, Buchhaltung und HR gearbeitet. Mein erstes Interim-Mandat war in Mexiko. Dort sollte ich ein Jahr lang ein Werk leiten – ein Joint Venture zweier multinationaler Unternehmen. Die Lage war ernst: Das Werk machte Verluste, und es gab keinen Cashflow. Da ich bereits in Mexiko gearbeitet hatte, wurde ich dorthin geschickt, um die Situation zu stabilisieren. Gemeinsam mit den Eigentümer:innen haben wir den Cashflow wiederhergestellt, Kapital beschafft und die Kosten analysiert. Am Ende des Jahres war das Werk wieder profitabel.“

Und wie ging es danach weiter?

„Nach dem Einsatz in Mexiko ging ich zurück nach Italien, zu dem, was ich eine ‚Killer-Mission‘ nenne: Ich musste ein Büro mit über 40 Mitarbeitenden schließen. Das bedeutete schwierige Verhandlungen mit Gewerkschaften und die Verlagerung des Backoffice nach Polen. Trotz der Herausforderungen haben wir das Büro innerhalb von sechs Monaten geschlossen.“

Warum hast du dich für eine Karriere als Executive Interim Manager entschieden?

„Ich liebe die Abwechslung und die Herausforderungen im Interim Management. Ich möchte nicht dauerhaft in einem Unternehmen bleiben – jedes neue Mandat bringt neue Aufgaben mit sich und hält mich motiviert.“

Kannst du mehr über deine Laufbahn vor der Arbeit als Interim Manager erzählen?

„Ich hatte eine sehr abwechslungsreiche Karriere. Ich habe im Controlling gearbeitet – was ich besonders spannend fand – und auch in der Buchhaltung sowie im HR-Bereich. Mein Wunsch nach internationaler Erfahrung führte mich nach Polen, wo ich in der Automobilbranche tätig war. Später habe ich Projekte in Dubai, Algerien und Südamerika geleitet sowie Integrationsprozesse in den USA begleitet. Vor dem Wechsel ins Interim Management war ich für eine multinationale Firma in Italien tätig und leitete dort die Werksaktivitäten.“

Was ist dein nächster beruflicher Schritt?

„Ich habe gerade ein neues Mandat angenommen, bei dem ich das Unternehmen nach einer Fusion bei der Integration der Reporting-Prozesse unterstützen werde.“

Wie hältst du eine gute Work-Life-Balance – und was darf man in Turin nicht verpassen?

„Wenn du Turin besuchst, solltest du auf keinen Fall das Museo Egizio verpassen. Es ist eines der bedeutendsten Museen der Welt für altägyptische Kultur – und das größte außerhalb Ägyptens. In der Innenstadt findest du außerdem viele Spuren des Römischen Reichs und hervorragende Restaurants.“