KI in der Buchhaltung: Warum Automatisierung unverzichtbar ist 

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In vielen Unternehmen bleibt die Buchhaltung ein zentraler Engpass: Belege treffen aus unterschiedlichsten Quellen ein und müssen noch manuell erfasst, geprüft und kontiert werden. Gleichzeitig fehlen klar definierte Workflows für die Rechnungsfreigabe, während Meldefristen den Finanzbereich unter Druck setzen und qualifiziertes Buchhaltungspersonal knapp ist. 

Christoph Prieler, CEO und Co-Gründer von Finmatics, erläutert in diesem Artikel, wie sich durch automatisierte Belegerkennung, intelligente Buchungsvorschläge und die Abbildung klarer Workflows zentrale Prozesse effizienter gestalten lassen. Zur Rolle der Buchhaltung in Unternehmen meint Christoph Prieler: „Die traditionelle Buchhaltung verwaltet die Vergangenheit – Automatisierung und Künstliche Intelligenz helfen uns, die Zukunft zu gestalten. KI ist nicht nur ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung, sie ist der strategische Kompass, der aus historischen Daten vorausschauende Entscheidungen macht. Wer heute nicht automatisiert, verliert den Anschluss an das Tempo der modernen Wirtschaft.“

Wann lohnt sich die Automatisierung der Buchhaltung? 

Eine automatisierte Buchhaltung lohnt sich eigentlich immer. Unternehmen profitieren von effizienteren Abläufen, höherer Skalierbarkeit und besserer Qualitätssicherung. 

Die Ersparnis liegt sowohl in einer reduzierten Arbeitszeit (Erfassung und Korrektur), höherer Termintreue und einem besseren Überblick über die Finanzen. 

Typische Situationen, in denen Automatisierung sinnvoll ist: 

  • Die Finanzabteilung verbringt viel Zeit mit dem Sortieren, Hochladen oder Weiterleiten von Belegen. 
  • Regelmäßiges Verpassen von Zahlungsfristen 
  • Mahnungen müssen manuell geprüft werden. 
  • Der Monatsabschluss zieht sich unnötig in die Länge. 
  • Rechnungsfreigaben-Workflows sind nicht klar definiert. 
  • Beleg- und Rechnungsformate sind nicht einheitlich. 
  • Excel-Listen oder manuelle Ablagen sorgen für Fehler und Doppelarbeit. 
  • Mitarbeitende sind regelmäßig mit repetitiven Buchhaltungsaufgaben beschäftigt. 

Checkliste: Ist Automatisierung der richtige Schritt? 

Nachfolgend einige Aussagen zur Buchhaltung. Treffen mehrere davon zu, dann lohnt es sich, eine intelligente Buchhaltung mit Automatisierung in Erwägung zu ziehen: 

  • Die Buchhaltung wird teilweise noch mit Excel oder Papierunterlagen geführt. 
  • Belege kommen per E-Mail, per Post und/oder über andere Wege. Es gibt keinen einheitlichen Eingangskanal. 
  • Rechnungen werden noch nicht automatisch ausgelesen, und Buchungssätze werden noch nicht automatisch vorgeschlagen. 
  • Es gibt kein klares System für die Belegfreigabe oder Ablage. 
  • Regelmäßig muss nach Dokumenten oder Kontoauszügen gesucht werden. 
  • Die Buchhaltung ist zumindest teilweise an externe Dienstleister ausgelagert.  

Welche Aufgaben können im Rechnungswesen mit KI automatisiert werden? 

Der Einstieg in eine KI-Lösung für die Buchhaltung muss nicht kompliziert sein, viele Prozesse lassen sich mit einfachen Werkzeugen digital umstellen. Nachfolgend einige Aufgaben im Rechnungswesen, die mit KI automatisiert werden können: 

  • Rechnungseingang: Belegerkennung, Rechnungsfreigabe, Datenextraktion, Vorkontierung 
  • Rechnungsausgang: Erstellung, Versand, Zahlungsabgleich 
  • Kontierung: Buchungsvorschläge anhand von Belegdaten, Regeln oder KI 
  • Umsatzsteuer-Voranmeldung: Erstellung und fristgerechte Übermittlung 
  • Erinnerung & Mahnwesen: Automatisierte Mahnung bei fälligen Zahlungen 
  • Split-Buchungen: Aufteilung nach Konten und Steuerschlüsseln mit KI 
  • Anzahlungs- und Schlussrechnungen: Automatische Verknüpfung & korrekte Buchung 
  • Belegarchivierung: Online-Ablage mit Suchfunktion 
  • Projekt- und Kostenstellenzuweisung 
  • Reisekostenabrechnungen 
  • Wiederkehrende Buchungen (z.B. Miete, Leasing) 

Aktuelle Tools erkennen dabei die Beträge und interpretieren Inhalte und Belegarten. Dies ist eine Voraussetzung für intelligente Buchhaltung, wie sie vor allem KI-Systeme ermöglichen. 

Was ist beim Automatisieren der Buchhaltung mit KI wichtig? 

Automatisierung spart nur dann Zeit, wenn Prozesse vorher klar strukturiert sind. Wer seine Buchhaltung nur „digitalisiert“, ohne Abläufe zu durchdenken, wird kaum Entlastung spüren. Wichtig ist deshalb, bei der Automatisierung der Buchhaltung die richtigen Stellschrauben zu kennen. 

1. Belege früh und richtig erfassen 

Papierberge und E-Mail-Chaos sind kein guter Startpunkt. Automatisierte Systeme arbeiten am besten, wenn Belege direkt online vorliegen, idealerweise als PDF oder E-Rechnung. Klare Dateinamen, strukturierte Ablage und automatische Weiterleitung sorgen für eine reibungslose Verarbeitung der Belege. 

2. Einheitliche Workflows schaffen 

Ob Eingangsrechnung, Ausgangsrechnung oder Freigabeprozess: Jede Abweichung im Ablauf bringt Aufwand. Automatisierte Buchhaltung lebt von Standardisierung. Das bedeutet: Es muss feste Freigaberichtlinien, klare Zuständigkeiten und wiederkehrende Regeln für Buchung und Kontierung geben. 

3. Schnittstellen nutzen 

Die beste intelligente Buchhaltung bringt wenig, wenn Daten doppelt gepflegt werden müssen. Achten Sie darauf, dass Ihre Buchhaltungssoftware mit dem Buchhaltungssystem (z.B. DATEVBMD oder RZL) oder ERP-Systemen verknüpft werden kann. Auch Banken- und E-Mail-Anbindung sollten reibungslos funktionieren. 

4. Kontrollierbarkeit erhalten 

Automatisieren heißt nicht blind vertrauen. Systeme sollten nachvollziehbar arbeiten und prüfbare Vorschläge liefern. Nur dann lassen sich Fehler erkennen, bevor sie an das Finanzamt weitergegeben werden. 

5. Routinefälle zuerst automatisieren 

Nicht jeder Sonderfall muss von Anfang an gelöst werden. Häufig wird mit den einfachen Vorgängen begonnen: Standardrechnungen, wiederkehrende Zahlungen, Reisekosten. Sobald diese automatisiert laufen, lassen sich komplexere Themen nachziehen. 

Schritt für Schritt zur automatisierten Buchhaltung 

Wer seine Buchhaltung automatisieren möchte, sollte nicht einfach irgendein Tool installieren und hoffen, dass es anschließend läuft. Die Lösung liegt in einem klaren Vorgehen, von der Vorbereitung bis zur schrittweisen Integration. 

1. Status quo erfassen 

Bevor automatisiert wird, braucht es einen Überblick: Welche Aufgaben kosten aktuell Zeit? Wo entstehen häufig Fehler? Welche Prozesse laufen bereits digital, welche nicht? 

Typische Problemstellen: 

  • Belege einscannen und sortieren 
  • Rechnungen manuell prüfen und freigeben 
  • Buchungssätze einzeln erfassen 
  • Steuersätze und Konten per Hand zuordnen 
  • Nicht standardisierte Buchungsvorgänge (z.B. Split-Buchungen) 

Wer dabei regelmäßig mit aufwändigen Belegen zu tun hat, sollte prüfen, inwiefern automatisierte Split-Buchungen in der Buchhaltung die tägliche Arbeit vereinfachen und Fehlerquellen reduzieren können. 

2. Tools evaluieren 

Sobald klar ist, was automatisiert werden soll, beginnt die Auswahl des passenden Tools. Wichtig ist, dass die Software zu den eigenen Abläufen passt, sowohl funktional als auch rechtlich. 

Worauf Sie achten sollten: 

  • Automatische Erkennung von Rechnungsdaten 
  • Unterstützung für gesetzliche Formate (z.B. ZUGFeRD oder XRechnung) 
  • Kompatibilität mit Ihrem Buchhaltungssystem (z.B. DATEV, BMD oder RZL) 
  • Möglichkeit zur Integration von Freigabeprozessen 

Hilfreich kann dabei ein Vergleich sein, damit Sie die beste Software für Split-Buchungen wählen. 

3. Abläufe standardisieren 

Ohne klare Regeln nützt die beste Software wenig. Es lohnt sich, Buchungsrichtlinien, Kostenstellen und Freigabeworkflows zu definieren. Je besser die Struktur, desto leichter lässt sich automatisieren. 

4. Testen und optimieren 

Der Wechsel auf automatisierte Prozesse gelingt nicht über Nacht. Beginnen Sie mit einem einfachen Mandanten, bei dem die Abläufe überschaubar sind, und passen Sie die Einstellungen Schritt für Schritt an. 

Wie entwickelt sich die Buchhaltung der Zukunft? 

Automatisierung war der erste Schritt. Doch was folgt, wenn Routineaufgaben längst von Software übernommen werden? Die Zukunft der Buchhaltung liegt im Abbau manueller Prozesse sowie in einer neuen Art der Interaktion: direkt, sprachbasiert, intelligent. 

Immer mehr Systeme entwickeln sich vom Tool zum Partner, unterstützt durch große Sprachmodelle (Large Language Models/LLMs), die natürliche Sprache verstehen und geschäftlichen Kontext mitdenken. In der Praxis bedeutet das: Buchhaltungsfachkräfte und Unternehmer kommunizieren mit ihrer Software nicht mehr über Menüs oder Formulare. Sie nutzen dafür gezielte Fragen und Anweisungen. 

Der KI-Buchhalter: Was bedeutet das für Ihre Buchhaltung? 

Ein KI-Buchhalter ist ein Konzept für die nächste Evolutionsstufe digitaler Buchhaltung. Systeme wie Finmatics arbeiten daran, diese Vision umzusetzen, mit einem sogenannten Prompting-Interface, über das Nutzer:innen unterschiedliche Aufgaben durchführen können: 

  1. gezielt Rückfragen zu Buchungen stellen („Warum wurde diese Ausgabe als Bewirtung verbucht?“) 
  1. manuelle Schritte durch natürliche Sprache anstoßen („Buche die nächste Miete wie im Vormonat“) 
  1. komplexe Sachverhalte einfacher aufschlüsseln lassen („Zeig mir alle offenen Posten mit überfälligen Zahlungen über 5.000 Euro“) 

Damit wird Buchhaltung schneller und verständlicher. Selbst für Personen ohne großes Buchhaltungswissen lassen sich Abläufe nachvollziehen und Aufgaben sicher abwickeln, ohne sich zu sehr in komplexe Oberflächen vertiefen zu müssen. 

Warum dieser Schritt so relevant ist 

Die Grenzen klassischer Automatisierung zeigen sich überall dort, wo Agilität gefragt ist: bei Sonderfällen, Ausnahmen oder speziellen Rückfragen. KI-gestützte Systeme reagieren schnell, lernen mit und liefern Erklärungen. Das stärkt die Kontrolle und senkt gleichzeitig den Aufwand. 

Betriebe, die heute schon an KI-gestützte Buchhaltungsassistenten denken, sichern sich einen Vorsprung: weniger Klickarbeit, mehr Transparenz und schnellere Ergebnisse. 

Buchhaltung automatisieren – Häufige Fragen und Antworten 

Welche Risiken gibt es bei der Automatisierung der Buchhaltung? 

Wird Buchhaltung automatisiert, können Fehler entstehen, wenn Regeln oder Datenquellen falsch definiert sind. Wichtig ist deshalb, dass Buchungen nachvollziehbar und manuelle Kontrolle möglich bleiben, gerade bei Sonderfällen oder steuerlich sensiblen Vorgängen. 

Wie sicher ist es, KI in der Buchhaltung zu verwenden? 

Fortschrittliche Systeme arbeiten mit strengen Datenschutzrichtlinien und speichern Daten verschlüsselt. Der Anbieter Finmatics setzt beispielsweise auf DSGVO-konforme Verarbeitung in europäischen Rechenzentren und ist ISO-27001-zertifiziert. Unternehmen und Kanzleien sollten im Einzelfall auf jeden Fall prüfen, ob die eingesetzte Software mit den internen Datenschutz- und Compliance-Vorgaben vereinbar ist. 

Wie lange dauert die Einführung einer automatisierten Buchhaltung? 

Je nach Umfang dauert die Einführung meist nur wenige Wochen. Viele Systeme arbeiten ergänzend zur bestehenden Software und können ohne lange Umstellungen stufenweise integriert werden. 

Welche Prozesse profitieren am stärksten von Automatisierung? 

Die größte Wirkung zeigt sich bei der Online-Belegerfassung, Rechnungsfreigabe, Umsatzsteuerprüfung und bei wiederkehrenden Buchungen. Diese Bereiche lassen sich klar strukturieren und zuverlässig automatisieren. 

Beispiel Finmatics: Was unterscheidet sie von klassischer Buchhaltungssoftware? 

Finmatics ist eine KI-basierte Software, die sich über reine Standardautomatisierung hinaus aktiv auf individuelle Buchungslogik trainieren lässt. Somit lassen sich die Ergebnisse der Automatisierung überwachen und nachvollziehen sowie bei Bedarf gezielt weiter trainieren. 

Finmatics eignet sich nicht nur für Buchhaltungen mit einfachen Sachverhalten, sondern auch für komplexe und zeitaufwändige Buchungen wie beispielsweise steuerliche oder inhaltliche Split-Buchungen (Metro etc.) oder Anzahlungs- und Schlussrechnungen. Das funktioniert direkt integriert in DATEV, BMD, RZL und anderen Softwarelösungen. 

Wenn Sie mehr Informationen zur Belegverarbeitung mit intelligenter KI-Automatisierung haben wollen, so können Sie sich hier eine Infobroschüre des Anbieters Finmatics herunterladen.