Während Mexiko zunehmend zu einem strategisch wichtigen Akteur im globalen Geschäftsumfeld wird, stehen Unternehmen vor rasantem Wandel, der agilere und spezialisierte Führung erfordert. Interim Management etabliert sich dabei als bevorzugte Lösung.
Um mehr über diesen dynamischen Trend zu erfahren, haben wir mit Alexandra zu Ysenburg, Managing Partner der Ezentia Group in Mexiko, gesprochen. Sie verbindet Deutschland und Lateinamerika und war vor 15 Jahren Gründungsmitglied von Ezentia – einem renommierten Unternehmen für Executive Search, Board Services, Leadership Consulting und Interim Management. In diesem Jahr wurde Ezentia Mitglied der globalen Valtus Alliance. Das Interview führte Jannike Falkmann, von Nordic Interim – A Valtus Company.
Alexandra, deine persönliche und berufliche Reise ist sehr international. Erzähl uns ein wenig über deinen Hintergrund.
„Ich wurde in Deutschland geboren und habe sowohl deutsche als auch mexikanische Wurzeln. Ich lebte in Deutschland, Spanien und Brasilien. Meine berufliche Laufbahn begann in Frankfurt, wo ich als Strategieberaterin bei Arthur Andersen tätig war. Später erhielt ich die Möglichkeit, zum deutschen Versicherungskonzern Allianz in Mexiko zu wechseln.“
Wie entstand die Ezentia Group?
„Alles begann vor 15 Jahren. Ein spanischer Headhunter, der geschäftliche Interessen in Mexiko hatte, suchte nach lokalen Partnerinnen, um im Executive-Search-Markt zu expandieren. Meine Mitgründerin Claudia Hardy erkannte das Potenzial und stieg sofort ein. Seitdem sind wir zu einem starken Team mit vier Partnerinnen gewachsen. Von Board- und Executive-Search über Leadership Consulting haben wir ein Unternehmen aufgebaut, dem große internationale Kunden vertrauen. Unsere jüngste Dienstleistung Executive Interim Management wird für mexikanische Unternehmen immer relevanter.“
Interim Management ist in Mexiko noch ein relativ neues Konzept. Was befördert hier den Wandel?
„Wir beobachten eine steigende Nachfrage nach dem Thema Interim Management in Mexiko. Früher setzten lokale Unternehmen stark auf traditionelle Strukturen und langfristige Anstellungen. Doch mit der Globalisierung und schnell wandelnden Geschäftsmodellen erkennen Unternehmen – insbesondere mittelständische Firmen und Tochtergesellschaften multinationaler Konzerne – zunehmend, dass sie flexible Expertise in Echtzeit benötigen. Ob digitale Transformation, Post-Merger-Integration, Produktionshochlauf durch Nearshoring oder Vakanzüberbrückungen: Interim Manager:innen bringen sofortige Wirkung und Stabilität – ohne langfristige Bindung.“
Du erwähnst mittelständische Unternehmen und multinationale Konzerne als Vorreiter. Welche Rollen oder Aufgaben sind derzeit besonders gefragt?
„CFOs und Chief Transformation Officers sind aktuell sehr gefragt, vor allem bei Unternehmen in Restrukturierungssituatoinen oder mit schnellem Wachstum. Auch im Bereich Operations und Supply Chain steigt der Bedarf. Zudem sehen wir Interim Manager:innen, die Digitalisierungsprojekte oder Nachhaltigkeitsinitiativen leiten. Der gemeinsame Nenner ist Transformation – Organisationen benötigen schnelle und erfahrene Führung in sensiblen oder entscheidenden Phasen.“
Wie würdest du die Interim-Landschaft Mexikos mit reiferen Märkten wie Europa vergleichen?
„Ich würde sagen, Mexiko befindet sich heute dort, wo Europa vor 15 Jahren stand. Das Konzept entwickelt sich noch. Die Unternehmenskultur in Mexiko ist oft hierarchischer und traditioneller, und die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen sind strenger als in Europa oder den USA. Gleichzeitig beschleunigen Globalisierung und steigender Wettbewerb den Wandel. Multinationale Unternehmen treiben die Entwicklung voran, weil sie den Wert von Interim-Führung bereits kennen. Ich bin überzeugt, dass künftig immer mehr mexikanische Unternehmen Interim Management einsetzen werden, weil sie sehen, dass diese Art von Führung gute Ergebnisse zeitigt.“
Was macht den Ansatz der Ezentia Group und der Valtus Alliance einzigartig?
„Unsere Stärke liegt in der Kombination von globaler Reichweite und lokaler Expertise. Bei Ezentia verfügen wir über tiefes Wissen über den mexikanischen Markt und die kulturellen Gegebenheiten. Gleichzeitig ermöglicht uns die Mitgliedschaft in der Valtus Alliance den Zugriff auf einen globalen Pool geprüfter Führungskräfte sowie internationalen Best Practices. Diese duale Perspektive erlaubt es uns, die passende Interim-Führungskraft für jede Situation zu finden – ob für eine lokale Transformation oder für eine grenzüberschreitende Post-Merger-Integration.“
Was ist deine wichtigste Botschaft zum Executive Interim Management in Mexiko?
„Executive Interim Management gewinnt an Sichtbarkeit, weil Organisationen heute in einem schnelleren, globaleren und anspruchsvolleren Umfeld agieren. Interim-Führungskräfte bieten etwas äußerst Wertvolles: sofortige Führung, Erfahrung in der Arbeit unter Druck und Transformationskompetenz – und zwar genau dann, wenn Unternehmen diese Fähigkeiten am dringendsten brauchen. Wir sind stolz darauf, Teil dieser globalen Entwicklung zu sein und unsere Kund:innen bei ihren wichtigsten Transformationsprozessen begleiten zu dürfen.“
Zum Abschluss: Was sollte man in Mexiko-Stadt auf keinen Fall verpassen?
„Wo soll ich anfangen? Mexiko-Stadt ist riesig – man kann hundert Mal hier sein und entdeckt jedes Mal etwas Neues. Ich empfehle, unbedingt unser kulturelles Erbe zu erkunden: die Pyramiden außerhalb der Stadt, die aztekische und koloniale Geschichte – und natürlich die Tacos! Mexikanisches Essen ist eine Kunstform. Die Farben, Aromen und die Atmosphäre sind wirklich unvergesslich.“
Executive Interim Management mag in Mexiko noch in den Anfängen stehen, doch angesichts der zunehmenden Komplexität und Geschwindigkeit in der Geschäftswelt ist der Bedarf an flexibler, wirkungsvoller Führung unübersehbar. Mit Unternehmen wie der Ezentia Group an der Spitze sieht die Zukunft agiler Executive-Lösungen in Lateinamerika vielversprechend aus.
